ENTP – Der Erfinder

Die erste Funktion des ENTPs ist die extravertierte Intuition. Die zweite Funktion ist das introvertierte Denken. ENTPs sind die geborenen Erfinder und Entdecker.

Sie sind ausgesprochen originelle und einfallsreiche Persönlichkeiten. In ihrem Drang nach neuen anregenden Erfahrungen ähneln sie dem ESTP. Anders als ESTPs sind sie jedoch weniger an erkennbaren Gelegenheiten als an sich abzeichnenden Möglichkeiten interessiert. Während sich der ESTP auf die Erweiterung seiner taktilen Fähigkeiten konzentriert und hier gerne mit anderen konkurriert, nimmt der ENTP mit seinen Antennen jene Veränderungen war, die bahnbrechende Neuerungen verheißen und ihm den entscheidenden Vorsprung gegenüber seinen Mitbewerbern sichern.

ENTPs besitzen gewöhnlich ein umfangreiches Wissen zu einer breitgefächerten Palette von Themen und drängen ständig darauf, dieses zu erweitern. Ihr Wissen dient ihnen als Sprungbrett für neue Ideen und Verbesserungsvorschläge. Ihre zweite Funktion – das introvertiertes Denken – hilft ihnen die Grenzen ihrer Visionen auszuloten.

ENTPs mangelt es nicht an neuen Ideen sondern an dem Vorsatz sie auszuführen. Das Paradies für einen ENTP ist der Ort, an dem er seine Ideen frei von Einschränkungen entwickeln darf. Am wohlsten fühlt er sich, wenn er mit seiner überragenden Vorstellungskraft alle Möglichkeiten erkunden kann, ohne dass ihm eine Verpflichtung daraus erwächst, diese in die Praxis umzusetzen. Die Muße, sich seinen Vorstellungen hingeben zu können, ist die entscheidende Quelle seiner Kreativität.

In Gesellschaft treten ENTPs meist aufgeschlossen und gesellig auf. Sie beeindrucken in der Regel durch ihre Sprachgewandtheit und die Unerschrockenheit, mit der sie über ihre Ideen reden. Wenn eine Vision sie in den Bann gezogen hat, wirken sie sehr lebhaft und versprühen einen Enthusiasmus, der rasch auf ihre Mitmenschen überspringt. Sie reden oft schnell, da sie einen scharfen und wachen Verstand haben, mittels dessen sie scheinbar zusammenhanglose Phänomene mit rasanter Geschwindigkeit zu einem Gesamtbild verknüpfen. Oft versuchen sie ihre Gedanken in Echtzeit nach außen zu tragen. Das führt dazu, dass sie gelegentlich zu schnell reden und ihre Zuhörer überfordern.

Obwohl sie manchmal extrem extravertiert auftreten, fällt es ENTPs nicht schwer sich auszuklinken. Gerade die Ausübung der zweiten Funktion – dem introvertierten Denken – mit der sie ihre Eindrücke analytisch verarbeiten, führt dazu, dass sie häufig in ihre Gedankenwelt abtauchen. Sie machen dann einen eher geistesabwesenden Eindruck.

In der Begegnung mit ihren Mitmenschen lachen ENTPs viel und sind oft zu Scherzen aufgelegt. Ihre Späße sind eher übermütig, wobei sie dazu neigen, beinah spielerisch ihre intellektuelle Überlegenheit zur Schau zu stellen.

Streitlustig nehmen sie gerne auch mal den Gegenstandpunkt ein, nur um eine Diskussion anzuheizen. ENTPs nehmen kein Blatt vor den Mund; wenn ihnen eine Erklärung nicht plausibel erscheint, sprechen sie dies sofort an. Ab und an lassen sie sich zu provokanten Bemerkungen hinreißen. Je nach Kontrahent kann diese Taktik erfolgversprechend sein, aber auch nach hinten losgehen. Da ENTPs eher schlecht darin sind, die Wirkungen ihres Verhaltens auf andere abzuschätzen, schaffen sie sich auch hin und wieder Feinde. Zudem sind sie nicht sonderlich daran interessiert, auf andere verständnisvoll und empathisch zu wirken. Gerade ihre sarkastischen Kommentare werden von harmoniebedürftigeren Mitmenschen oft als verletzend empfunden. In ihrer Liebe zum mentalen Schlagabtausch verkennen sie bisweilen, dass nicht jeder Mensch so wie sie tickt und derart forsch und selbstbewusst auftritt.

Außerdem übersehen ENTPs oft, dass andere Menschen weniger Reserven für die Interaktion mit ihrer Umwelt haben und der unablässige Schlagabtausch von Gedanken und Ideen sie eher erschöpft als anregt.

ENTPs lieben das Risiko. Sie planen nur ungern im Voraus. Vielmehr benötigen sie einen gewissen Druck, um einsatzbereit zu sein. Zufällige Änderungen im Geschehensablauf werden als willkommene Abwechslung betrachtet, und die daraus resultierende Aktivierung aller mentalen Reserven, befähigt sie erst zu Höchstleistungen. Da sie ihr Spiel nah am Abgrund spielen, sind ihre Lebensverhältnisse etwas instabiler als die der meisten anderen Typen. ENTPs setzen gern – zuversichtlich auf ihre Fähigkeiten vertrauend – alles auf eine Karte, und entsprechend hoch sind die Verluste im Ernstfall.

Wenn sie eine Idee gefangen genommen hat, übersehen ENTPs schon mal ihre körperliche Existenz, gönnen sich kaum Schlafpausen, vergessen ausreichend zu essen oder ernähren sich nur von Fastfood. Als Ausgleich für derartige körperliche Strapazen entwickeln manche ENTPs in periodischen Abständen eine übermäßige Sorge um ihre Gesundheit. Auch sind sie gelegentlich naiv, wenn ihnen ihr Körper Warnsignale sendet. So kann ein knurrender Magen verbunden mit Schwächegefühlen nachdem der ENTP einen Tag nicht gegessen hat, schon mal als Zeichen für eine ernsthafte Erkrankung gewertet werden.

Das Leben mit einem ENTP ist garantiert nicht langweilig. Eher dürfte der Mangel an Routine ein Problem für das Familienleben darstellen. ENTPs suchen gewöhnlich Partner, die ihnen geistig folgen können und testen dies bereits am Anfang einer Beziehung aus.

Als unabhängige Freidenker sind ENTPs oft Entrepreneure, die ihre eigenen Ideen auf dem Markt anbieten. Sollten sie Angestellte leiten, ist dies zumindest für die Angestellten eine ziemliche Herausforderung. Auch wenn ihr Enthusiasmus inspiriert, können sie mit ihrem Verbesserungswahn und dem unablässigen Hinterfragen etablierter Strukturen auch schnell ermüdend wirken und die Belegschaft ziellos und verwirrt zurücklassen. In hierarchisch aufgebauten Unternehmen müssen sie es lernen, ihren Ton entsprechend zu zügeln und sich den Gepflogenheiten des Unternehmens anzupassen.

ENTPs tun sich mit der Bearbeitung von Routineaufgaben, der Beachtung von Details und starren Fristen schwer. Aufgaben, die sich nicht unmittelbar lösen lassen, verursachen ihnen ebenfalls Probleme, da ENTPs gerne alles in einem Abwasch erledigen würden. Sie bringen wenig Geduld mit der Bearbeitung einzelner Schritte auf.

Wenn sich derartige Arbeiten anhäufen, ist der ENTP versucht das Projekt ganz fallen zu lassen und sich lieber einer neuen Idee zu verschreiben.

Ein ENTP jedoch, der es schafft, sich ausreichend Selbstdisziplin aufzuerlegen und der auch die Bedürfnisse seiner Mitmenschen berücksichtigt, hat das Potential, mit seinen Visionen nachhaltige Veränderungen herbeizuführen.

 Neu: Das Video zum ENTP von Michael Pierce. Hier findest du eine sehr genaue Analyse der kognitiven Prozesse des ENTPs. Das Video ist auf Englisch und inhaltlich sehr anspruchsvoll. Ich habe eine deutsche Übersetzung davon gefertigt.

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