Bewusstseinsfunktionen – Wahrnehmungsfunktionen (Teil 2)

Die Wahrnehmungsfunktionen – Empfinden und Intuition – stellen die für die Beurteilung eines Sachverhaltes wichtigsten Informationen zur Verfügung.

Beide Funktionen helfen uns unsere Umwelt zu erkennen. Das Empfinden konzentriert sich hierbei auf Informationen, die für uns konkret wahrnehmbar sind. Wir sprechen hier von Informationen, die wir über unsere Sinne direkt aufnehmen können. So spüren wir den Regen auf unserer Haut, bemerken die Wärme der Sonne, sehen die Kinder im Park. Es gibt allerdings auch Informationen, die wir nicht konkret wahrnehmen, deren Existenz jedoch nicht zu übersehen ist. In diesem Fall sehen wir uns einem Sachverhalt gegenüber, den wir nicht vollständig mit unseren Sinneseindrücken erfassen können. Zwar können wir einzelne Teile des Sachverhalts erkennen, andere hingegen bleiben unserer bewussten Wahrnehmung verborgen.

Beispiel:

So könnte das Tier hinter dem Gebüsch aufgrund der durchscheinenden gestreiften Maserung ein Tiger sein. Zwar nehmen wir die Maserung sinnlich wahr. In dem Moment, wo wir meinen, es könnte sich um einen Tiger handeln, gehen wir jedoch über das sinnlich Wahrnehmbare hinaus und wenden unsere Intuition an. Intuition hilft uns trotz unbekannter Variablen einen Sachverhalt hinreichend genau zu erfassen. Damit sind wir bereits entscheidungsfähig, obwohl wir den Sachverhalt noch nicht lückenlos ermittelt haben.

Je nach Ausrichtung der zwei Wahrnehmungsfunktionen erkennen wir unterschiedliche Puzzleteile eines Sachverhaltes.

Extravertiertes Empfinden

macht uns für die neuen Anteile einer sinnlich erfassbaren Information empfänglich. Wir schmecken die Süße einer Traube und erkennen die Farbe eines Weines, spüren die Hitze der Sonnenstrahlung, sehen, wie ein Regenbogen gerade in diesem Moment am Himmel erscheint.

Introvertiertes Empfinden

zeigt uns jene Teile einer Information, denen wir bereits in der Vergangenheit begegnet sind und die wir konkret wahrgenommen haben. So erinnern wir uns, dass heute früh noch eine Packung Milch im Kühlschrank stand, dass die Uniform eines Bahnangestellten normalerweise blau ist und dass die Sonne immer am Nachmittag durchs Fenster scheint. Extravertiertes und introvertiertes Empfinden spielen zusammen. Um unsere Umwelt wahrzunehmen, benutzen wir die in unserem Gehirn vorhandenen Informationen. Nur aufgrund abgespeicherter bekannter Sinneseindrücke können wir erst zwischen neuen und alten Sinneseindrücken unterscheiden.

Extravertierte Intuition

macht uns auf Möglichkeiten in unserer Außenwelt aufmerksam, die über das bewusst Wahrnehmbare hinausgehen. Wir erkennen zum Beispiel aufgrund der aktuellen Konjunkturdaten, dass der Kauf einer Wohnimmobilie derzeitig günstig ist und in Zukunft ein Anstieg des Immobilienpreises zu erwarten ist.

Introvertierte Intuition

hingegen verändert unseren Blickwinkel auf bekannte Phänomene und gibt ihnen dadurch eine neue Bedeutung. Beispiel: Laut einer Studie in den USA sind extravertierte Menschen glücklicher als introvertierte Menschen. Eine Veränderung des Blickwinkels wäre die Feststellung, dass introvertierte Menschen vielleicht ihr Glück nicht so zeigen, wie extravertierte Menschen. Möglicherweise sind extravertierte Menschen weniger mit ihren echten Gefühlen in Verbindung, und eine Aussage über ihr Glück hat daher einen anderen Aussagekraft als die eines Introvertierten. Dieser ist vielleicht im gleichen Maße glücklich, berichtet jedoch weniger darüber. Wir haben den Sachverhalt selber nicht verändert, allerdings haben wir die Bedeutung dadurch verändert, dass wir die Aussagekraft der ermittelten Glückswerte angezweifelt haben.

 

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