Bewusstseinsfunktionen – Einführung (Teil 1)

Wie hier bereits beschrieben wurde, besitzen wir mit der Großhirnrinde eine Instanz in unserem Gehirn, die uns hilft, bewusste Entscheidungen zu treffen, wenn instinktive Reaktionen zu kurz greifen würden. Die bewusste Entscheidung verhilft uns, dazu unsere Bedürfnisse gezielter mit den Anforderungen unserer Umgebung abzustimmen. Für diesen Abstimmungsprozess stehen uns die von C. G. Jung beschriebenen 1  vier Grundfunktionen im Bewusstsein zur Verfügung:

  •  Empfinden: Wahrnehmen durch die Sinnesorgane
  •  Intuition: Wahrnehmung nicht völlig bewusster Inhalte
  •  Denken: unpersönliches Urteilen
  •  Fühlen: persönliches Urteilen

Diese Funktionen vermitteln zwischen unserer Innenwelt und unserer Außenwelt. Die Introversion richtet den Blick nach Innen – in die Welt der abgespeicherten Gedächtnisinhalte und unserer Gedanken und Gefühle. Extraversion lässt uns den Blick auf unsere Umgebung richten. Hier bemerken wir das sich um uns abspielende Geschehen, bemerken die Anforderungen, die an uns von außen herangetragen werden und spüren die Gefühle unserer Mitmenschen. Obwohl wir uns ständig in beiden Welten bewegen, bevorzugen wir eine dieser Welten. Wir sind also selten zu gleichen Teilen in beiden Welten unterwegs. Allerdings ist die Intensität der Ausrichtung nach Außen oder Innen von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es gibt also extrem extravertierte bzw. introvertierte Menschen, wie es auch Menschen gibt, die nur eine schwache kaum merkliche Bevorzugung einer bestimmten Ausrichtung haben. Die Existenz von Introversion und Extraversion ist heute allgemein anerkannt. Es wurden auch Unterschiede in der Gehirnaktivität zwischen introvertierten und extravertierten Menschen festgestellt.

Ob ein Mensch laut der Typologie C. G. Jungs introvertiert oder extravertiert ist, hängt von der Ausrichtung seiner dominanten Funktion ab. Da die Prozesse, die den einzelnen Funktionen in der Entscheidung zugeschrieben werden, je nach Anwendung nach innen oder außen sehr unterschiedlich ablaufen, wird in der Typologie statt von den vier oben genannten Funktionen durch Verdoppelung aufgrund der zwei Richtungen von acht Funktionen gesprochen.

Menschen, die eine bestimmte Funktionen bevorzugt anwenden und sich daher auch mit dieser Funktion identifizieren, werden einem der acht psychologischen Typen von C. G. Jung zugeordnet.  Die folgende Tabelle soll die Zusammenhänge zwischen den Funktionen, den acht psychologischen Typen nach C.G. Jung und den 16 Typen des MBTI darstellen.

Bewusstseinsfunktionen Englische Übersetzung Abkürzung Psychologischer Typ MBTI
Extravertiertes Empfinden extraverted sensing Se extravertierter Empfindungstypus ESP ESFP und ESTP
Introvertiertes Empfinden introverted sensing Si introvertierter Empfindungstypus ISJ ISFJ und ISTJ
Extravertierte Intuition extraverted intuition Ne extravertierter intuitiver Typus ENP ENFP und ENTP
Introvertierte Intution introverted intuition Ni introvertierter intuitiver Typus INJ INFJ und INTJ
Extravertiertes Fühlen extraverted feeling Fe extravertierter Fühltypus EFJ ESFJ und ENFJ
Introvertiertes Fühlen introverted feeling Fi introvertierter Fühltypus IFP ISFP und INFP
Extravertiertes Denken extraverted thinking Te extravertierter Denktypus ETJ ESTJ und ENTJ
Introvertiertes Denken introverted thinking Ti introvertierter Denktypus ITP ISTP und INTP

 

Nachdem Myers und Briggs bei dem Versuch, ein Instrument zur Erfassung der acht Jung’schen Typen zu entwerfen, die Bedeutung der zweiten Funktion erkannten, wurden hieraus jeweils zwei Subtypen entwickelt. Diese Subtypen haben eine gemeinsame dominante Funktion, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer zweiten Funktion. Die Subtypen entsprechen den 16 Typen des MBTI. Du findest sie in der fünften Spalte der vorstehenden Tabelle.

Mit den vier Grundfunktionen tasten wir unsere Außen- und Innenwelt ab und versuchen zwischen diesen zwei Welten zu vermitteln. Je nachdem ob eine der vier Grundfunktionen nach außen oder nach innen gerichtet ist, entsteht hieraus ein ganz bestimmter Beitrag zur Entscheidungsfindung. Dazu mehr in Teil 2 (Wahrnehmungsfunktionen) und Teil 3 (Urteilsfunktionen) dieses Artikels.

  1. C. G. Jung, Psychologische Typen S. 552. Jung spricht von vier Funktionen in unserem Anpassungs- und Orientierungsapparat.
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