INTPs im Berufsleben

INTPs sind im Allgemeinen gut aufgehoben in allen Bereichen, in denen innovatives und selbständiges Denken wünschenswerte Eigenschaften sind. Sie gehören zu den selteneren der 16 Typen und sollten sich ihrer nicht so gängigen Ansprüche bei der Berufswahl bewusst sein. Das bedeutet nicht unbedingt, dass konventionelle berufliche Karrieren nicht in Betracht kommen. INTPs, die ihre Stärken anwenden ohne ihre Schwächen zu vernachlässigen, können in einer Vielzahl von Berufen erfolgreich sein. Allerdings stehen die Chancen auf Zufriedenheit im Beruf deutlich höher, wenn die eigenen Stärken als Sprungbett dienen können. Insofern sollte jeder Beruf, den ein INTP wählt, auch langfristig persönliches Wachstum ermöglichen und geistige Anregung bieten.

Folgende Ansprüche stellen INTPs üblicherweise an ihre berufliche Tätigkeit:

  • Die Arbeit muss eine intellektuelle Herausforderung darstellen und die Möglichkeit bieten, kreative Lösungsvorschläge zu entwickeln, wie z. B. durch Entwerfen und Verbessern komplexer Systeme.
  • INTPs sind überwiegend an theoretischen Fragestellungen interessiert. Sie genießen daher Tätigkeiten, die Gelegenheit bieten, über die Gegenwärt hinaus in die Zukunft zu denken und ihre Vorstellungskraft einzusetzen.
  • INTPs mögen Spaß bei der Arbeit und Spontaneität.
  •  Da INTPs die Theorie der Praxis vorziehen, wäre es sinnvoll, wenn sie möglichst wenig mit Routinetätigkeiten und reinen verwaltungstechnischen Tätigkeiten betraut würden.
  • Auch sollten INTPs viel Unterstützung bei der Umsetzung ihrer Lösungen erhalten bzw. die Umsetzung an andere fähigere Mitarbeiter delegieren können.
  • Die Unternehmensleitung sollte originelles und unabhängiges Denken fördern und keine Angst vor Querdenkern haben. INTPs benötigen viel Freiheit zum Ausprobieren und möglichst wenig einschränkende Strukturen. Sie sollten daher grundsätzlich die Erlaubnis haben, Schema F auch mal zu ignorieren und stattdessen zu improvisieren. Es empfiehlt sich, Unternehmen mit starren Hierarchien zu meiden.
  • INTPs benötigen viel Zeit zum gründlichen Nachdenken ohne Unterbrechung durch Mitarbeiter und unwichtige Aufgaben.
  • INTPs haben eher weniger Interesse daran, Führungspositionen einzunehmen und anderen Mitarbeitern Vorschriften zu machen.
  • Die berufliche Tätigkeit sollte ausreichende Gelegenheit bieten, Kompetenz zu zeigen. INTPs haben hohe Ansprüche an ihre intellektuellen Leistungen und erwarten hier auch recht viel von anderen. Die Arbeit sollte daher den geistigen Austausch mit anderen Kollegen in einem respektvollen und professionellen Umfeld fördern.
  • INTPs legen hohen Wert auf Vernunft. Die Entscheidungsprozesse im Unternehmen müssen für sie fair und logisch nachvollziehbar sein.

INTPs verfügen in der Regel über die folgenden Stärken:

  • INTPs sind die ultimativen Denker unter den Rationalisten. Sie haben ein ausgeprägtes Interesse daran, logisch und analytisch zu arbeiten.
  • Dabei sind sie in der Regel offen für neue Wege jenseits herkömmlicher Denkweisen, solange diese logisch nachvollziehbar sind.
  • Sie besitzen eine hohe Konzentrationsfähigkeit und sind gerne bereit, sich in neue Gebiete einzuarbeiten, um komplizierte Fragestellungen zu bearbeiten.
  • Sie erfassen schnell die zentralen Fragestellungen eines technischen Sachverhalts und sind schnell darin, wirksame Lösungen anzubieten.
  • Sie sind unabhängige Denker, die sich der Wahrheit verpflichtet fühlen. Entsprechend können sie sachlich mit Kritik umgehen.
  • INTPs sind in der Lage, ihre Gedanken mit hoher Präzision zu formulieren und haben zumeist sehr gute sprachliche Fähigkeiten.
  • Sie haben oft ein gutes Gedächtnis für sie interessierende Fakten und vergangene Ereignisse und versuchen dieses Wissen stringent in ihre Theorien einzubauen.
  • Sie sind gute Strategen, die kreative Problemlösungen anbieten. Sie suchen ständig nach intellektuellen Herausforderung – sei es die erstmalige Reparatur eines Daches oder das Aufstellen eines Gründungskonzepts. Hauptsache die Materie ist neuartig und verspricht einen Lerneffekt.
  • Manche INTPs sind ausgesprochen verspielt und humorvoll und lockern dadurch die Atmosphäre im Unternehmen auf.
  • Sie strahlen oft eine beruhigende Sachlichkeit aus und können in Notfällen als Anker dienen, der Zuversicht vermittelt.
  • INTPs sind im Allgemeinen flexibel, wenn die Dinge sich anders gestalten als erwartet.

Bedenke bitte, dass die Grenzen zwischen Schwächen und Stärken fließend sind und oft nur der Anwendungszeitpunkt und -ort entscheidend ist.

INTPs neigen zu folgenden typdingte Schwächen:

  • Schwächeln in der Umsetzung. INTPs genießen eher das Auffinden des Lösungswegs. Wenn sie ein Problem im Kopf gelöst haben, verlieren sie schnell das Interesse.
  • Nicht sonderlich mitteilsam. Für INTPs ist das Auffinden von Lösungen ein privates Vergnügen. Sie tüfteln die meiste Zeit über an irgendeinem Problem. Dabei entwickeln sie einige Lösungswege und Ideen. Allerdings denken sie nicht unbedingt daran, dass diese Gedanken auch für andere von Interesse sind. Auf diese Weise entgehen ihrem Arbeitgeber durchaus interessante Einfälle, die einem Projekt den richtigen Schwung gegeben hätten.
  • Kaum ansprechbar in der heißen Phase. Wenn sie in eine Aufgabe richtig verwickelt sind, kann es schwierig sein, ihre Aufmerksamkeit auf ein neues Projekt zu lenken.
  • Vor Eintritt dieser Phase ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass INTPs eher dem Vorwurf ausgesetzt sind, zu wenig Fokus auf die eigentliche Aufgabenstellung zu legen.
  • Schwierigkeiten mit der Ausführung einfacher Tätigkeiten. INTPs zeigen einen recht paradoxen Arbeitsstil. Bei Unterforderungen können sie deutliche Leistungsabfälle zeigen. Wenn die Arbeit langweilig ist und den Geist nicht anregt, machen sie vermehrt Flüchtigkeitsfehler oder verkomplizieren die Dinge unnötig.
  • Chaotische Arbeitsweise. INTPs sind deutlich besser darin sich Ordnungssysteme auszudenken als sie in ihrem eigentlichen Arbeitsumfeld zu etablieren. Sie sind erstaunlich chaosresistent, wenn es um die Etablierung von Ordnung und Routine bei der Arbeit geht. Daher kann die Zusammenarbeit mit Menschen, die hierauf großen Wert legen, sich schwierig gestalten.
  • Bedingt teamfähig. Es kann für INTPs schwierig sein, Arbeiten abzugeben, da sie oft sehr stark in den Prozess verwickelt sind und gerne alles selbst durchdringen wollen. Umgekehrt fällt es INTPs oft schwer, andere Menschen um Rat zu bitten bzw. die Hinweise anderer Menschen zur Kenntnis zu nehmen, da es für sie normal ist, selber eine Lösung zu suchen.
  • Geistesabwesend. Stark introvertierte INTPs sind oft so in ihrem Kopf, dass sie ihre Umwelt kaum noch wahrnehmen.
  • Dies kann dazu führen, dass sie sozial unbeholfen sind. Selten sind sie absichtlich unhöflich. Oft bemerken sie schlichtweg nicht, dass ihre Umgebung bestimmte soziale Gesten erwartet.
  • Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen. Viele INTPs reagieren erstaunlich empfindlich auf ihre eigenen Emotionen aber auch die Emotionen anderer. Es fällt ihnen jedoch schwer, diese Emotionen durch Gefühle angemessen auszudrücken. Vermutlich um die Unsicherheit hier zu kaschieren erscheinen sie eher übermäßig formal in Situationen, wo ein bisschen mehr Ausdruck von Empathie notwendig wäre, wie z. B. in sozialen Berufen. Gelegentlich überstrapazieren sie die Logik, indem sie die Bedeutung von Gefühlen nicht beachten und dadurch zwar logische aber sozial eher unangemessene Lösungen anbieten.
  • Vernachlässigen konkret anstehende Probleme. INTPs sehen die Herausforderung zumeist in den Möglichkeiten, die die Zukunft bietet und vergessen darüber gerne, sich mit den eher profanen Anforderungen der Gegenwart zu befassen.

INTPs scheinen der Prototyp des zerstreuten Professors zu sein und tatsächlich streben viele INTPs eine akademische Laufbahn an. Daher stellt sich die Frage, ob INTPs nicht den

Wissenserwerb zum Beruf machen sollten?

Da INTPs bei ihrem Wissenserwerb stark von den eigenen Interessen geprägt sind, liegt es nah, ein Studium zu wählen, das die Fragen, die sich dem INTP aufdrängen, verfolgt und diese zu klären hilft. Im Anschluss daran bietet sich eine Berufstätigkeit an, die eine kreative Anwendung des Wissens und einen weiteren Ausbau des Wissens ermöglicht. Dieser Ansatz birgt allerdings mindestens drei Probleme.

1. Die Praxistauglichkeit der eigenen Fragestellung

Der Traumberuf eines INTPs dürfte eine bezahlte Tätigkeit darstellen, die dem INTP die Möglichkeit einräumt, über die ihn beschäftigenden Fragestellungen nachzudenken. Das Problem dieses Ansatzes dürfte die Vermarktungsfähigkeit des hieraus gewonnenen Produkts sein. Sollte das Interesse eines INTPs tatsächlich mit dem auf dem Markt nachgefragten Wissen deckungsgleich sein, dürfte sich die Frage nach der Wahl des geeigneten Studiums weitestgehend leicht beantworten lassen. INTPs, deren Interessen hingegen etwas obskurer sind, sollten jedoch über alternative Möglichkeit ihre Interessen zu verfolgen und dennoch ihren Lebensunterhalt zu sichern, nachdenken. Eine Hilfestellung zu den damit zusammenhängenden Fragen bietet das englischsprachige Ebook des INTPs und Bloggers A. J. Drenth. Es ist direkt über seine Website www.personalityjunkie.com zu erwerben.

2. Die Einseitigkeit des Fokus

INTPs fühlen sich gerne kompetent, und dazu gehört auch der Wunsch, ein Fachgebiet komplett zu durchdringen und Expertenstatus zu erreichen. Dieser Wunsch nach Kompetenz ist natürlich leichter zu erfüllen, wenn der Fokus der Aufmerksamkeit auf einem hochspezialisierten Wissensgebiet liegt.
Nicht wenige INTPs besitzen daher eher einen geringen Fokus hinsichtlich der Weite des Wissenserwerbs und setzen eher auf den Erwerb von hochspezialisiertem Expertenwissen. Letztlich ergibt sich hier bereits das oben erwähnte Problem der Praxistauglichkeit. Darüber hinaus ist auch die Gefahr einseitiger Entwicklungen zu beachten. Zum einen macht dieser Ansatz INTPs sehr abhängig von der Entwicklung des Marktes und der künftigen Nachfrage nach dem Spezialwissen. Sollten Änderungen des Marktes den Nutzen des Wissens obsolet machen, ist ihre Existenzgrundlage schnell gefährdet. Eine weitere Gefahr liegt in der geringen Ausnutzung ihrer zweiten Funktion und damit einer etwas einseitigen Entwicklung ihrer Persönlichkeit. Die extravertierte Intuition verleiht INTPs die Fähigkeit, fachübergreifend neue Möglichkeiten zu entdecken und ermutigt sie jenseits herkömmlichen Wissens, Wege zu gehen und Neues zu entdecken. Ein zu geringer Fokus bei der Wahl des Wissensgebietes nimmt dieser Funktion die Spitze – sprich ihre eigentliche Wirkung. Gerade auf Sicherheit bauende INTPs entschärfen gerne die oft auch persönlich herausfordernde Wirkung ihrer Intuition, indem sie diese nur zur Unterstützung des Denkprozesses heranziehen, und dies bedeutet möglichst unter kontrollierten Bedingungen, wie dies durch einen sehr engen Wissensfokus ermöglicht wird. Die hier geäußerten Bedenken sollen auf gar keinen Fall davon abhalten, klar abgesteckte Wissensgebiete zu wählen sondern nur das Bewusstsein für die dahinter womöglich verborgene Motivation erhöhen. Interessante Ausführungen auf Englisch zum Thema findest du auch auf www.personalitypage.com.

3. Die Veränderlichkeit des persönlichen Interesses

Den weniger ängstlichen INTPs dürfte ein zu enges Interesse bei der Erforschung von sich ihnen aufdrängenden Fragestellungen kaum zum Problem werden. Vielmehr dürfte ihr Problem darin liegen, ein Studium zu finden, dass ihr Interesse lange genug nährt und auch für die Zukunft noch ihr Interesse weckt. Die Fragen, die sich solche impulsiven INTPs heute stellen, mögen derzeit in den Rahmen eines bestimmten Studiums fallen, sie aber möglicherweise bereits in einigen Jahren langweilen, so dass sie durch neue interessantere Fragestellungen abgelöst werden. A. J. Drenth geht auch ausführlich auf die Angst vieler INTPs ein, sich bei der Berufswahl verfrüht festzulegen.

Typische Berufsfelder für INTPs:

Forschung

Aufgrund ihres ausgeprägten Interesses am Verstehen und intellektuellen Herausforderungen erscheint es folgerichtig, INTPs ein Hochschulstudium zu empfehlen, das es ihnen ermöglicht, sich einen Beruf im Wissenschaftsbetrieb insbesondere an der Universität oder in einer außeruniversitären Forschungseinrichtung zu suchen. Bei der Wahl des Studiums und der anschließenden beruflichen Tätigkeit sollten INTPs bedenken, dass sie eher wenig an der Übernahme und Verfolgung konventioneller Denkschienen interessiert sind. Die gewählte Richtung als Wissenschaftler sollte daher viel Spielraum für innovative Gedanken bieten und das Vordringen in noch unentdeckte Gebiete ermöglichen. Dies lässt sich eher in neuen Wissenschaftsgebieten als in etablierten Forschungsgebieten erreichen.

Berufe im sozialen Bereich?

INTPs berichten meist über Probleme, sich in sozialen Berufen mit ihren Stärken einzubringen. INTPs zeigen nicht selten Interesse an humanistischen Fragestellungen. Allerdings agieren sie hier eher als Beobachter des Verhaltens ihrer Mitmenschen. Oft haben sie auch eine gute Vorstellung von den Motivationen und Bedürfnissen ihrer Mitmenschen. In der Regel fällt es ihnen leichter, technische Hilfestellung zu geben als ihre Gefühle angemessen zu zeigen und auf die emotionalen Bedürfnisse ihrer Mitmenschen zu reagieren. Wenn die Möglichkeit besteht, widmen sich INTPs eher den sachorientierten Fragestellungen innerhalb sozialer Unternehmen. Nicht wenige INTPs arbeiten als Lehrer. Dies kann dann eine gute Wahl sein, wenn die Schüler lernwillig sind und eine erhöhte Bereitschaft zum Mitdenken mitbringen. Ansonsten kann die sich ständig wiederholende Vermittlung von Lernstoff auch ermüdend sein, denn sie benötigt Ausdauer im Umgang mit nicht ganz so fixen Schülern, die oft nicht vorhanden ist.

Berufe in der Wirtschaft:

INTPs gelangen durch intensive Studien leicht zu Expertenstatus, und nicht wenige INTPs nutzen ihr Wissen als Berater in der Wirtschaft. Hier bietet sich auch eine selbständige Tätigkeit an, die INTPs die ersehnte Autonomie ermöglicht.

Berufe im kreativen Bereich:

Viele INTPs sind ausgesprochen kreativ. Sie sind in der Regel nicht der gefühlsbetonte Künstlertyp und haben weniger Interesse am eigentlichen Schaffensprozess. Es ist üblicherweise die Möglichkeit, mit Ideen und Konzepten zu spielen und diese auf ungewöhnliche Weise immer wieder neu zu kombinieren, die INTPs einen kreativen Beruf wählen lässt. Nicht unübliche Berufe für INTP im kreativen Bereich sind:

  • Grafikdesigner
  • Schriftsteller
  • Regisseur
  • Musiker
  • Fotograf
  • Architekt
  • Designer, etc.

Ein weites Feld für viele INTPs sind Berufe in der IT-Branche wie z.B.

  • Computerprogrammierer
  • Netzwerkadministratror
  • Webdeveloper
  • SEO-Consultant, etc.

Nicht wenige INTPs arbeiten mindestens teilweise als Blogger z.B.
Lars Lorber oder auch Svenja Hofert oder wie bereits erwähnt A. J. Drenth, Inhaber von www.personalityjunkie.com.

So ich einzelne Berufe aufgelistet habe, ist die Aufzählung weder vollständig noch ein Garant für beruflichen Erfolg. Ich möchte damit nur einen Einblick in die Berufsfelder bieten, die INTPs mit ihren Stärken oft besonders ansprechen. Auch scheint es angesichts der Variabilität der persönlichen intellektuellen Interessen zwecklos, konkrete Studienrichtungen zu benennen. Wichtiger ist es, sich über die Bedingungen des angedachten Berufs in der Praxis klar zu werden und hier aktiv Einfluss zu nehmen z.B. durch die bewusste Gestaltung des Ausbildungsweges und entsprechende Praktika, die einen frühzeitigen Einblick in die Arbeitswelt erlauben und der gezielten Suche nach einer Stelle, die den eigenen Ansprüchen genügt.

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