ENFJ – Der Lehrer

Die erste Funktion des ENFJs ist das extravertierte Fühlen und die zweite Funktion ist die introvertierte Intuition. ENFJs haben die angeborene Gabe, die Dynamik einer Gruppe schnell zu erfassen und die unterschiedlichen Bedürfnisse ihrer Mitglieder miteinander in Einklang zu bringen. Die Extraversion verleiht ihnen zudem die Energie für die Interaktion mit vielen Menschen, so dass sie oft in Führungspositionen zu finden sind.

Die dominante Funktion – das extravertierte Fühlen – lässt die Aufmerksamkeit des ENFJs auf seine Mitmenschen und deren Bedürfnisse richten. Die introvertierte Intuition befähigt sie das Entwicklungspotential eines Menschen zu erfassen, und sie sind aufrichtig daran interessiert, dieses zur Geltung zu bringen.

ENFJs sind extravertiert und genießen den Kontakt mit vielen Menschen. Dabei ist ihnen viel daran gelegen, ihre Beziehungen harmonisch zu gestalten. Vor dem ersten Kennenlernen sind ENFJs gewöhnlich zurückhaltend und eher vorsichtig beobachtend. Dies legt sich jedoch schnell, sobald ein neuer Kontakt hergestellt ist. Im Allgemeinen fällt es ihnen ausgesprochen leicht, neue Freundschaften zu knüpfen.

Ein ENFJ ist erst dann richtig zufrieden, wenn seine Freunde, Familie und ihm sonst anvertraute Menschen zufrieden sind. In diesem Sinne liegt das Glück für den ENFJ darin, andere Menschen glücklich zu machen.

ENFJs gehören der Temperamentsgruppe der Idealisten an. Mit ihrer Befähigung Perspektiven aufzuzeigen ähneln sie dem ENFP. Sie sind zumeist ebenso charismatisch und enthusiastisch in der Interaktion mit ihren Mitmenschen und, genauso daran interessiert, das Bestmögliche für andere zu erreichen. Anders als beim ENFP sind ihre Visionen weniger darauf gerichtet, die Welt zu verändern als darauf, das Leben des Einzelnen zu transformieren. Sie haben ihren Fokus auf den Entwicklungschancen der Mitglieder einer Gemeinschaft. Sie glauben in ihrem tiefsten Inneren daran, dass der Einzelne interessiert ist, zum Wohl der Gemeinschaft beizutragen und sind oft damit befasst, verlorene Seelen, die vom Pfad abgewichen sind, unter liebevoller Obhut wieder in die Gemeinschaft zu integrieren. Aus diesem Anlass verbessern sie die Gesellschaft, setzen sich für die Schaffung gleicher Entwicklungschancen und die Umsetzung menschenwürdiger Bedingungen ein. Dabei gehen sie jedoch nicht soweit, die Gesellschaft, der sie angehören, grundsätzlich zu hinterfragen.

Während der ENFP besonders dafür geeignet ist, die Interessen anderer zu vertreten, indem er sie artikuliert und in die Welt hinausträgt, ist der ENFJ besonders stark darin, den Einzelnen bei der Realisierung seiner Potentiale durch konkrete Anleitung zu unterstützen. Hier unterscheidet er sich deutlich vom ENFP, der eher weniger daran interessiert ist, anderen Leuten Vorschriften zu machen und diese eher durch Überzeugung und Beispiele anleitet.

Im Vergleich zu ENFPs, die eher als Advokat auftreten, entsprechen ENFJs mit ihrem lenkenden und eingreifenden Kommunikationsstil dem Idealbild eines Lehrers. Sie haben zumeist starke moralische Vorstellungen und sehen sich in der Pflicht, ihre Schüler auf den richtigen Weg zu bringen. ENFJs nutzen ihre exzellenten Kommunikationsfähigkeiten dazu, andere Menschen zu den aus ihrer Sicht förderlichen Verhaltensweisen zu bewegen. Oft stecken sie voller kreativer Einfälle, um die Motivation ihres Zöglings zu erhalten. Dabei sind ENFJs zumeist sehr überzeugt von der Richtigkeit ihrer Visionen und geneigt, einen Schützling auch gegen seinen anfänglichen Widerstand, zur Besserung zu bewegen. ENFJs handeln hier fast immer uneigennützig, in dem Wunsch Gutes zu tun und liegen dabei hinsichtlich der hierfür notwendigen Schritte und Maßnahmen oft richtig. Da ihre Methoden der Einflussnahme eher menschenfreundlich und subtil sind, sehen die meisten Menschen ihnen die hiermit einhergehende Einmischung nach.

Andererseits kann die Überzeugung des ENFJs, den Schlüssel zum Glück anderer Menschen zu kennen, Probleme aufwerfen, wenn er in seinem Drang Gutes zu tun, die Autonomie des Einzelnen nicht beachtet. Gerade Typen mit einem stark entwickelten introvertierten Gefühl (z. B. ISFPs und INFPs) empfinden derartige Einflussnahme als persönlichen Übergriff und sind nicht bereit, sich ohne weiteres den Ideen anderer Leute unterzuordnen.

Überdies kann der ENFJ in seiner Sorge um das Wohlbefinden anderer mit seinen wohlmeinenden Ratschlägen und ständigen Verbesserungsversuchen gerade in ihm nahestehenden Personen Schuldgefühle erzeugen, wenn diese sich nicht in der Lage sehen, den hohen Erwartungen des ENFJs zu genügen. Im schlimmsten Fall sind diese dann versucht, den ENFJ vor Enttäuschung zu bewahren, indem sie ihm unvorteilhafte Informationen vorenthalten. Dieses Verhalten wird dadurch verstärkt, dass ENFJs oft empfindlich auf Kritik reagieren. Dies liegt zum einen an ihrem Harmoniestreben aber auch daran, dass ENFJs sich oft so sicher sind, das Richtige zu tun. Daher reagieren sie auch schon mal verärgert, wenn ihre wohlmeinenden Ratschläge auf taube Ohren stoßen.

Die hohe Bereitschaft des ENFJs, seine eigenen Bedürfnisse zugunsten der Bedürfnisse anderer Menschen zurückzustellen, wird gelegentlich von anderen Typen als Unaufrichtigkeit ausgelegt. Damit wird dem ENFJ jedoch Unrecht getan. Die meisten ENFJs haben einen ausgesprochen festen Kern innerer Werte, zu dem sie stehen und den sie auch nicht antasten. Jedoch befähigt sie ihr Idealismus, längere Durststrecken zugunsten ihrer höheren Ziele zu überstehen. ENFJs sind mehr noch als andere Idealisten in der Lage, ihre eigenen Wertvorstellungen und Bedürfnisse hintenanzustellen, wenn sie überzeugt sind, dass dies für die Entwicklung anderer Menschen förderlich ist.

Tatsächlich müssen ENFJs jedoch aufpassen, dass sie bei aller Opferbereitschaft nicht die falschen Akzente setzen. ENFJs, die nicht in der Lage sind, über ihre Bedürfnisse zur reden, diese herunterspielen und ständig zugunsten anderer zurückstellen, erzeugen damit unfreiwillig auch eine Distanz zwischen sich und ihren Mitmenschen. Trotz ihres extensiven Freundeskreises fühlen sie sich eher einsam. Da sie anderen ihre menschlichen Schwächen nicht eingestehen, wirken sie in ihrem Drang, die perfekte Rolle als Vater, Mutter, Hausfrau, Arbeitskollegin, Freundin etc. zu spielen, auf andere oft einschüchternd.

Reife ENFJs erkennen diese Falle und werden daher zunehmend selektiver, was die Wahl ihrer Freunde betrifft. Sie sind eher bereit über ihre wahren, tiefen Gefühle zu reden und verschreiben sich lieber den Menschen, die sie in ihrem eigentlichen Wesen anerkennen und wertschätzen.

ENFJs sollten sich regelmäßig eine Auszeit von der Interaktion mit ihren Mitmenschen gönnen. Dies verhilft ihnen, sich und ihre eigenen Bedürfnisse wieder wahrzunehmen, und oft bemerken sie erst dadurch, wie sie wirklich über eine Angelegenheit denken. Damit schützen sie sich zugleich davor, übermäßig in die Probleme anderer verwickelt zu werden.

ENFJs sind extravertierte J-Typen. Sie sind daher eher  strukturiert und organisiert bei der Bewältigung des Alltags. Im Allgemeinen haben sie einen sehr guten Ordnungssinn und planen ihren Tag durch. Sie sind meist erst bereit sich Erholung zu gönnen, wenn alle Arbeiten erledigt sind.

Als Arbeitskollegen sind ENFJs in der Regel sehr beliebt. Üblicherweise sind sie in punkto Soft Skills der ideale Arbeitnehmer für alle Arbeitsfelder in denen Teamwork unerlässlich ist. Da es ihnen leicht fällt, das Vertrauen der Mitarbeiter und ihrer Chefs zu gewinnen, steigen sie oft recht schnell auf der Karriereleiter nach oben. ENFJs setzen bei ihrer Arbeit auf Kooperation und Mitbestimmung. Entsprechend sollten sie Unternehmen meiden, deren Strukturen den Wettbewerb unter den Mitarbeitern begünstigen und in denen politische Manöver die Aufstiegschancen bestimmen. Ansonsten besteht die Gefahr, dass sie auf Dauer unzufrieden sind und ausbrennen.

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